Raus aus der Komfortzone – schwierig, notwendig, lehrreich

Raus aus der Komfortzone!

Das habe ich im letzten halben Jahr sehr oft gelesen und gehört.

Raus aus der Komfortzone!

Das habe ich in dieser Zeit selbst sehr oft gesagt, zu mir, zu anderen. Hauptsächlich zu mir selbst, denn ich bin wirklich ein Angsthase. Mit Riesenklappe aber nur in der Komfortzone. Nur dort wo ich noch Grund unter den Füßen spüre

Raus aus der Komfortzone!

Das klingt so gut. Das klingt nach Freiheit, Abenteuer Erfüllung, Aufbruch und Neubeginn.

Gleichzeitig befindet sich jenseits der Komfortzone ein raues, steiniges Land. Wo kalte Winde wehen und seltsame Schatten huschen.

Das ich mal wieder meine Komfortzone verlasse, merkst Du daran, dass hier so gar nichts läuft. Ich bin dann streckenweise ein Kaninchen im Scheinwerferlicht. Reh klingt zwar schöner aber ich habe nun mal ein Faible für Langohren.

In der letzten Zeit habe ich mit ein paar Mitstreiterinnen an einem Etsy Pop-Up Store teilgenommen und dabei sehr viel gelernt, über mich über den Prozess als solchen.

Ich habe sehr interessante Menschen kennen gelernt und sehr viel Spaß gehabt.

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schnell sich alte negative Verhaltensmuster aktivieren, wenn mal etwas nicht so läuft wie es sollte.

So gelassen und wagemutig wie ich dachte mittlerweile geworden zu sein, bin ich lange noch nicht. Der Stock sitzt noch immer ganz tief in meinen fünf Buchstaben.

Das habe ich ganz deutlich gemerkt, als nach Ende meiner Schicht bei der Kassenabrechnung die Barkasse 55,-€ im Minus war. Mein erster Gedanke war, „Ist ja klar, dass das bei dir passiert, bist zu blöd! Hast dich bestimmt irgendwo verrechnet, falsch herausgegeben…..“ Der negative „Mindfuck“ hatte mich ganz in seinem Griff.

Zum Glück blieb Nadine von Moi-Même, die mit mir Schicht hatte, zumindest äußerlich ganz ruhig. In den Menschen kann man ja nicht hineinsehen. Aber so oft wir die Posten im Kassenbuch auch durchgingen, es blieb bei der Differenz. Zum Glück kam noch unser Team Captain, die Kathrin vorbei.

Sie gab uns den entscheidenden Tipp, denn sie meinte, eine der häufigsten Fehlerquellen im Lítil sei, dass EC-Karten Buchungen als Bareinnahmen deklariert seien. Daran hatten wir gar nicht gedacht. Zum Glück war der Fehler schnell gefunden und ich wusste, wie schnell ich immer noch den Kopf verliere, wenn ich mich auf unbekanntem Gebiet befinde.

Ich bin sehr froh dieser Erfahrung gemacht zu haben. Persönlich finde ich es sehr wichtig die Komfortzone zu verlassen. Wenn ich mir die Menschen um mich herum anschaue, scheinen diejenigen am glücklichsten, die ab und zu etwas Neues wagen.

Ich persönlich komme aus eine Familie größtenteils chronisch unglücklichen Menschen.

Mittlerweile, habe ich eine Ahnung warum und zudem die Einsicht, dass ich sie nicht verändern kann. Nur an meiner eigenen Persönlichkeit kann ich arbeiten. Nur an der und keiner fremden, außer sie möchte sich bewusst auf den Prozess einlassen! Kinder die man „erzieht“ bilden da eine Kategorie für sich.

Mit den Macken der anderen muss ich klarkommen. Eventuell den Kontakt zu ihnen einschränken oder sogar ganz abbrechen. Was eine Sache ist, die ich zwar erkenne… zu der ich mich bisweilen zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei einigen Personen noch außerstande sehe.

Zumindest ist diese Erkenntnis ein Schritt nach vorne, denn früher hatte ich den doppelt falschen Ansatz und glaubte, ich müsse mich, bzw. mein Verhalten verändern, um die anderen zu verändern.

Man kann aber andere nicht per se verändern, schon gar nicht indem man sich selbst verändert.

Bitte verstehe mich nicht falsch, ich bin immer noch der Ansicht, dass man an sich selbst arbeiten sollte. Gerade deshalb finde ich es so wichtig die Komfortzone zu verlassen, die Angstzone zu überqueren, um über die Lernzone in die Wachstumszone zu kommen.

Aber man sollte sich nicht wegen der anderen verändern wollen, schon gar nicht um sie zu verändern.

Die Veränderung sollte der Veränderung wegen erfolgen. Einfach um mit der Zeit die beste Version seiner selbst zu werden!

Das Problem wenn man sich wegen der anderen verändert ist nämlich, dass die Gefahr besteht, dass man sich selbst verliert.

In dieser Situation steckte ich vor ca. 1 Jahr noch. Ich war zwar schon dabei herauszukommen, aber das LWP Seminar, vor genau einem Jahr, machte mir schmerzlich bewusst, wie wenig „meine“ Ziele und Werte tatsächlich meine eigenen Ziele waren.

Meine Ziele und Werte waren im Wesentlichen die projizierten Ziele und Werte meiner Ursprungsfamilie.

Schlimmer noch, es waren die „deklarierten“ sozialen Werte meiner Ursprungsfamilie, die bei genauer Betrachtung, zu der ich als Erwachsene fähig war, nur Lippenbekenntnisse waren. Ich aber hielt in meinem Perfektionswahn an diesen Werten fest, obwohl ich erkennen konnte, dass sie im Grunde von den Menschen, welche sie mir eingeimpft hatten, nicht gelebt wurden.

Eine sehr seltsame Konstellation, die ich nicht so richtig in Worte zu fassen vermag und die dazu führte, dass ich immer gereizter und aggressiver wurde. Ich lebte einen Widerspruch. Schlimmer noch, ich wurde mir dessen immer mehr bewusst.

Ola Budzynska hat das Verfolgen vermeintlich eigener aber doch falscher oder im Grunde fremder Ziele mit einer Leiter verglichen, die man an die falsche Mauer stellt, erklimmt und dann feststellt, dass man nicht dort angekommen ist, wo man wollte. Diesen Vergleich finde ich sehr zutreffend.

Je mehr man es sich in seiner Komfortzone gemütlich macht, desto mehr ist man in Gefahr in diesen Zustand zu verfallen. Desto leichter kann es passieren, dass man das Leben, die Vorstellungen und die Träume von anderen verfolgt, verwirklicht und lebt. Das ist für sich allein genommen nicht unbedingt schlimm. Denn natürlich können diese auch mit den tatsächlichen eigenen Zielen übereinstimmen. Dann ist alles in bester Ordnung! Was aber wenn nicht?

Genau aus diesem Grund ist es notwendig die Komfortzone immer wieder zu verlassen. Nicht um die alten Werte über Bord zu werfen, sondern um neue Erfahrungen zu machen, Distanz zu gewinnen und zu erkennen, was für uns wirklich einen Wert darstellt, was unser wirkliches Ziel oder eines unserer wirklichen Ziele ist.

Nach solch einem Ausflug müssen wir die Komfortzone nicht hinter uns lassen. Wir dürfen sie vielmehr ausdehnen und gegebenenfalls etwas anders ausrichten. Allerdings sollten wir uns darin nicht lebenslang einrichten.

Jalegara ist einmalig meets Lutia Pimpinella

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.